Reisebericht: Die Bläserphilharmonie bei der WASBE in Rio

A MBP vai para o Brasil

Im Juli 2026 führte eine außergewöhnliche Konzertreise die Mannheimer Bläserphilharmonie nach Rio de Janeiro. Anlass war die internationale Konferenz der World Association for Symphonic Bands and Ensembles (WASBE), die vom 20. bis 25. Juli Musikerinnen und Musiker, Dirigierende, Komponierende und Fachleute aus aller Welt zusammenbrachte. 

Die Mannheimer Bläserphilharmonie war dabei nicht nur mit eigenen Konzerten vertreten, sondern wirkte auch beim internationalen Dirigierwettbewerb mit.

Bereits einige Tage vor Beginn der Konferenz, am 16. Juli, war das Orchester nach Rio gereist – denn es gab viel zu erleben!

Begegnung mit Favela Brass

Ein besonderer Teil der Reise war die Begegnung mit Favela Brass. Die Initiative ermöglicht Kindern und Jugendlichen aus den Favelas von Rio de Janeiro kostenlosen Instrumentalunterricht und gemeinsames Musizieren in verschiedenen Ensembles.

So trafen sich am 18. Juli Musikerinnen und Musiker beider Ensembles zum Pizzaessen und Musizieren. Rund 30 Mitglieder der Mannheimer Bläserphilharmonie musizierten gemeinsam mit Favela Brass auf der Terrasse einer Pizzeria im Stadtteil Santa Teresa. Die Jugendlichen und jungen Erwachsenen aus Rio präsentierten Musik aus ihrem Repertoire, Mannheimer Musikerinnen und Musiker brachten eigene Stücke ein, und schließlich spielten beide Gruppen gemeinsam. Menschen auf der Straße blieben stehen, hörten zu und ließen sich von der Musik mitreißen.

Musiker*innen von Favela Brass und der MBP beim Konzert in Santa Teresa.

Zwei Tage später besuchten die jungen Musiker*innen von Favela Brass dann eine Probe der Bläserphilharmonie. Auch dort wurde dann noch einmal mit über 100 Leuten gemeinsam musiziert.

Mannheim zu Gast bei der WASBE

Für das eigene Konzert bei der WASBE hat die Mannheimer Bläserphilharmonie ein Programm konzipiert, dessen Werke auf unterschiedliche Weise mit Mannheim und der Region verbunden sind. Einem internationalen Publikum sollte damit nicht einfach ein repräsentatives Konzertprogramm präsentiert werden, sondern ein Stück musikalischer Herkunft und Identität des Orchesters.

Den Auftakt bildete die Uraufführung von Evgeni Orkins Mannemer Rakete. Der Mannheimer Komponist und Klarinettist wirkte bei der Aufführung selbst im Orchester mit. Das Werk setzt sich augenzwinkernd mit der Mannheimer Schule und ihren berühmten Orchestereffekten auseinander. Die so genannten Mannheimer Manieren „Mannheimer Rakete“ – aufschießende Dreiklangsfiguren und Tonleiterausschnitte – und „Mannheimer Walze“ – eine sich in Dynamik und Tonhöhe nach oben schraubende Melodie – erscheinen in einer zeitgenössischen Klangsprache und treffen dabei auf Einflüsse der amerikanischen Minimal Music.

Mit To Celebrate a Miracle von Samuel Adler führte das Programm anschließend zu einem Komponisten, dessen Lebensgeschichte unmittelbar mit Mannheim verbunden ist. Adler wurde 1928 in Mannheim geboren und musste als jüdisches Kind mit seiner Familie vor der nationalsozialistischen Verfolgung aus Deutschland fliehen. In den USA wurde er zu einem international bedeutenden Komponisten. Seine Verbindung zu seiner Geburtsstadt Mannheim blieb über die Jahrzehnte bestehen.

Den Abschluss bildete Ferrer Ferrans Sechste Sinfonie Dreamland, ein Auftragswerk der Mannheimer Bläserphilharmonie, das das Orchester bereits bei seinen Frühlingskonzerten in Deutschland vorgestellt hatte. Ferran verarbeitet darin Vorstellungen von Traum und Erinnerung und lässt zugleich musikalische Bezüge zur Kurpfalz einfließen – darunter den „Jäger aus Kurpfalz“. So entstand auch hier eine Verbindung zwischen internationaler zeitgenössischer Blasorchesterliteratur und der Herkunft des Orchesters.

Das Konzert am 24. Juli im ehrwürdigen Teatro Municipal im Zentrum Rios wurde vom Publikum mit großem Jubel und Standing Ovations aufgenommen.

Die Mannheimer Bläserphilharmonie im Theatro Municipale bei ihrem WASBE-Konzert.

Eine internationale Bühne für Bläsermusik

Mindestens ebenso wichtig wie der eigene Auftritt war die Möglichkeit, während der Konferenztage Orchester aus unterschiedlichen Teilen der Welt zu erleben. Tagsüber fanden Workshops, Seminare und Gesprächsrunden statt, abends folgten mehrere Konzerte.

Beeindruckend waren die lateinamerikanischen Orchestern. Ihre große Spielfreude war oft nicht nur zu hören, sondern auch zu sehen: Die Musikerinnen und Musiker tanzten förmlich beim Spielen. Andere Ensembles wiederum präsentierten anspruchsvolle zeitgenössische Programme und zeigten die enorme stilistische Bandbreite, die das sinfonische Blasorchester heute bietet. Hier sind vor allem zwei Orchester aus den USA – die Orchester der Universitäten New Mexico und Oregon –, die mit ihren innovativen Programm bleibenden Eindruck hinterlassen haben. Für die Mitglieder der Mannheimer Bläserphilharmonie bedeuteten diese Tage damit auch die Gelegenheit, unmittelbar zu erleben, welche Entwicklungen die internationale Blasorchesterszene derzeit prägen.

Ein weiteres eigenes Konzert am 22. Juli gab die Bläserphilharmonie in die Kirche São Francisco de Paula. Die Atmosphäre hätte kaum einen größeren Kontrast zur großen internationalen Konzertbühne bilden können: Auf 80 weißen Plastikstühlen im ziemlich beengten Altarraum sitzend präsentierte die MBP ein stärker klassisch geprägtes Programm, darunter Mendelssohns Ouvertüre für Harmoniemusik.

Wettbewerbsorchester beim Dirigierwettbewerb

Eine zusätzliche Aufgabe übernahm die Mannheimer Bläserphilharmonie beim internationalen Dirigierwettbewerb der WASBE. Für die Finalrunde stellte sie das Wettbewerbsorchester und arbeitete mit den drei verbliebenen Kandidatinnen und Kandidaten. Am 24. Juli vormittags fand das Wettbewerbskonzert statt, am Tag davor die Probe mit den Kandidaten.

Für das Orchester war dies selbst eine Herausforderung: Die anspruchsvollen Wettbewerbswerke waren erst wenige Wochen vor der Reise bekannt geworden und mussten zusätzlich zum umfangreichen eigenen Konzertprogramm vorbereitet werden. Auf dem Programm standen von Jodie Blackshaw das Stücl Twist, Nelson Jesus mit Zamora 1143, Hilary Purrington Apricity. Im Wettbewerb musste das Ensemble dann unmittelbar auf unterschiedliche Dirigierpersönlichkeiten, musikalische Vorstellungen und Probenansätze reagieren. Die Leistung des Orchesters fand dabei große Anerkennung und wurde auch vonseiten der WASBE ausdrücklich gewürdigt. Gewinner des Wettbewerbs und auch er Orchesterwertung war der Kolumbianer German David Hernandez Tovar.

Rio jenseits der Konzertbühne

Bei aller Dichte des musikalischen Programms blieb Zeit, Rio de Janeiro auch jenseits der Konzertsäle kennenzulernen. Die besondere Landschaft zwischen Bergen und Meer, die Strände von Ipanema und Copacabana sowie gemeinsam erlebte Sonnenauf- und -untergänge gehörten ebenso zur Reise wie spontane Samba-Abende, sonntägliche Long Runs am Strand und die Feier nach dem Konzert.

Beliebtes Fotomotiv: Die Christo-Statue über Rio.

All diese gemeinsamen Erlebnisse stärkten auch die Gemeinschaft innerhalb des Orchesters: Proben und Konzerte, Stadterkundungen, Begegnungen mit anderen Orchestern und gemeinsames Feiern. Nach zwölf intensiven Tagen kehrte die Mannheimer Bläserphilharmonie deshalb nicht nur mit vielfältigen Eindrücken aus Rio zurück, sondern vor allem mit Erinnerungen an Begegnungen, die ohne eine solche Reise kaum möglich gewesen wären.

Dank

Wir danken unserem musikalischen Leiter Miguel Ercolino für Arbeit mit dem Orchester, dem Team, das die Konzertreise nach Rio vorbereitet hat, der Firma Discover Rio für die Organisation des touristischen Rahmenprogramms und den vielen Menschen, die durch kleine und große Beiträge die Konzertreise finanziell unterstützt haben.

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